avant / garde / under / net / conditions (vormals: perspektive | issue 43 | 2002 )

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interview

[/] interview (deutsch)

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[/] PHANTASTISCHE FAHRZEUGE



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/->/ Zeitschrift für UnZeitgeist & UnKomMerz // "ist eigentlich eine Zeitschrift, die wie eine Pappschachtel aussieht und auch eine ist. Da aber Zeitschriften im allgemeinen nicht als Pappschachteln erscheinen, will niemand so recht glauben, daß PIPS eine Zeitschrift ist" // für PIPS claudia pütz


>> PIPS ist das Anti-Prinzip zur "Clusterbombe"
>> / interview /
[question-1] :v: [question-2] :v: [question-3]


> [question-1//perspektive]
Avantgarde arbeitet oftmals in einem faradayschem Kaefig als Blitzableiter zwischen Establishment und autonomer Zone. In dieser "autonomen" Zone lassen sich herkoemmliche etablierte Bereiche und Techniken verfremden, umarbeiten und unterbrechen. Oft brauchen diese Gruppierungen eine Art von konspirativer Nische. Pips entwickelte sich von einer Dada-Zeitschrift zu einer Pandora-Box voller Miniaturwelten, definiert sich als Reiseveranstalter und Dada-Corporation. Ist Pips einer autonomen Zone vergleichbar oder steht Pips eher in der Tradition einer jahrmarkttechnischen Wunderbox?

>> [question-1//response]=[claudia pütz]

PIPS ist eigentlich eine Zeitschrift, die wie eine Pappschachtel aussieht und auch eine ist. Da aber Zeitschriften im allgemeinen nicht als Pappschachteln erscheinen, will niemand so recht glauben, daß PIPS eine Zeitschrift ist. Dennoch heißt PIPS im Untertitel: Zeitschrift für UnZeitgeist & UnKomMerz, weshalb jedes Kind leicht versteht, daß eine Pappschachtel eine Zeitschrift sein kann (oder umgekehrt).
PIPS ist ausserdem eine Hühnerkrankheit & zwar ein entzündlicher Zungenbelag beim Huhn. Ab & zu haben auch Menschen den PIPS, z.B. bei Schnupfen und sonstiger Erkältung. Ansonsten gibt es noch kleine Pfeifensiebe mit dem schönen Namen PIPS, und in London, 123 Cromwell Road, existiert ein mexikanisches Restaurant mit Wine-Bar, das PIPS heißt. Kurzum: PIPS kann überall und alles mögliche sein, natürlich auch eine Mail-Art-Box, die nichts anderes ist als ein Ort, wo Menschen aus aller Welt, wundersame Dinge, Hunde, Telefonkarten und - wie im wirklichen Leben - sogar Staufahrzeuge zu finden sind.
PIPS ist eine Mobilbox, ein Fahrzeug, ein Transport- oder Reisemittel.
PIPS transportiert sich selbst - als Miniaturwelt, autonome Zone, jahrmarkttechnische Wunderbox etc. - in Laderäumen von Zügen, Schiffen oder Flugzeugen. Mobil sind auch die Objekte von PIPS, die zeitweise oder für immer an beliebige Orte bewegt werden können. Legt man die Objekte in die Schachtel zurück, kann die Reise fortgesetzt werden. PIPS ist das Anti-Prinzip zur "Clusterbombe", die mittels Selbstsprengung hunderte von Minibomben streut, die wiederum möglichst viele "bewegliche Weichziele" (Menschen, Tiere o.ä.) eliminieren.

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> [question-2//perspektive]
Der Untertitel "Zeitschrift fuer UnZeitgeist & UnKomMerz" und der allgemeine Dadabezug zeigen eine starke Verbindung zum Dadaismus. Mail Art selbst hat einen starken (historischen) Bezug zu Avantgarde-Bewegungen wie Dada, Fluxus und Neoismus. Pips will wie Dada alles und nichts sein. Welche Avantgarde-Impulse sind fuer Pips heute noch wichtig? Wohin manifestiert sich das Ipsilon von Pips? :-)

>> [question-2//response]=[claudia pütz]

Als PIPS 1986 geboren wurde, ahnte noch niemand, daß PIPS eines Tages eine Schachtel sein würde. Zunächst war PIPS eine ganz normale Dada-Zeitschrift, die in einer Frischhaltetüte erschien - mit diversen Beilagen und ganz nach dem großen Vorbild von YPS, einer deutschen Kinderzeitschrift :-).
Eines Tages entdeckte die Pips-Dada-Corporation die Kunst per Post (= MAIL ART) und seit diesem Tag reisen Künstler/innen und Autor/innen aus aller Welt in multifunktionalen PIPS-Unikatboxen. PIPS widmete sich zunächst so romantischen Themen wie: Erste Liebe, Erste Hilfe, Erste Klasse. Später produzierte PIPS auch multimediale Boxen: eine Musicbox - Geräuschebox mit Grammophon, Klangmaschinen, & Hörgerät ; die Casinobox - Glücksspielbox mit Roulettekugel, Black Jack & Croupiersmütze & dem globalisierten Kapitalmarkt zuliebe eine Trophäenbox - Beutebox mit Diebesgut, Goldmedaillen & Triumphbogen. Im Jahr 2000 erschien eine Hightech-Edition mit Frankenstein, Zeitmaschine & Sternzeichen. 2001 entschlüsselte PIPS sein eigenes Genom und verwandelte sich in eine Holzbox.
Der Inhalt: Phantastische Fahrzeuge - Salon wunderbarer Fortbewegungsmittel. 12 Künstler/innen aus Europa und Übersee montierten je 1 phantastisches Fahrzeug in 45 per Post versandte Schachteln (Garage, Hangar, Anlegeplatz etc.), wodurch 45 Holzboxen mit je 12 phantastischen Fahrzeugen entstanden. Zusätzlich erschien ein Original-Künstlerbooklet mit Konstruktionszeichnungen, Bewegungsdiagrammen und Reiseberichten von weiteren 25 Künstler/innen und Autor/innen aus aller Welt. Das Editorial beleuchtete den Bau eines Luxusliners names "ResidenSea", einer neumodischen Arche Noah für betuchte Golfspieler, die sich als Ferien-Wohnschiff ausgibt und im Kriegsfall als exklusives Rettungsschiff dient.



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> [question-3//perspektive]
Die (fantastische) Geschichte von Dada aus dem Koffer wurde ja schon erzaehlt. Duchamps Miniaturkoffer mit all seinen Werken ist wohl der Vorlaeufer der Compact Disc von heute. Tragbare Kunst oder Literatur schaerft zum einen die Fähigkeit zu sehen oder zu verbergen und zum anderen die Kunst der Bewegung. Was hat Pips in der Pappschachtel zu verbergen oder was gibt es zu sehen? Ist Pips ein perfekter Nomade im Netzwerk der Medien?

>> [question-3//response]=[claudia pütz]

PIPS interessiert sich im wesentlichen für Koffer bzw. für anachronistische Reisen und Transportmittel. CDs und ähnliche kurzlebige Datenträger werden ausschliesslich zu Informationszwecken (Reiseprospekt o.ä.) genutzt. Als Ersatz für Pappschachteln oder Holzboxen eignen sie sich naturgemäss nicht. In gewisser Weise ähnelt PIPS einem Nomaden in der Wüste, der lieber ein Kamel benutzt als GPS in einem Range Rover. Schon 1997 erklärte General Fogelman, Generalstabschef der US Air Force, vor der Abgeordnetenkammer: "Im Laufe des ersten Drittels des 21. Jahrhunderts werden wir dazu in der Lage sein, jedes beliebige bewegliche Element auf der Erdoberfläche, das für uns von Bedeutung ist, gewissermaßen in Echtzeit zu finden, zu observieren und anzuvisieren." Pips widersetzt sich im besten Sinne der mittels Technik mobilisierten Dinge und verlangsamt Prozesse, beispielsweise durch nicht vorhandene permanente Verfügbarkeit. Dazu gehört auch die allmähliche aber stetige Auflagenreduzierung (< = 1) als Gegenprinzip zur Vermassung ("natürliche Verknappung"). PIPS hat nichts zu verbergen. Aber es gibt viel zu sehen, zu fühlen & zu riechen.



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